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"In Deutschland habe ich meine Selbständigkeit als Frau verwirklicht."
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Maurice Daja hat zwar einen Ausweiß mit seinem Geburtsdatum, aber wie alt er wirklich ist, weiß er nicht genau.
"Meine Kinder fragen mich heute, warum ich sie nicht mitgenommen habe, als ich vor dreißig Jahren nach Deutschland ging, denn inzwischen ist ihre Situation im ehemaligen Jugoslawien sehr schlecht. Dabei wollte ich nur für ein oder zwei Jahre in Deutschland bleiben und arbeiten, damit unsere Kinder zu Hause studieren können. Doch dann bekam ich eine gute Stelle in Münster,und so bin ich länger geblieben." Ljuba Popovic ging einen, für eine Kroatin ungewöhnlichen Weg. Sie machte sich alleine auf die Reise in die Fremde, während ihr Mann, der in Zagreb als Lehrer tätig war, und ihre Kinder zurückblieben.
Mit dem Arbeitsangebot einer Fabrik für Briefumschläge in der Tasche kam Ljuba Popovic in Münster an und fand dort promt eine langfristige Stelle. Doch aufgrund der schlechten Bezahlung suchte sie schließlich weiter nach besserer Arbeit. Nach sieben Jahren fand sie einen neuen Arbeitsplatz. Sie lebte sparsam und verdiente genug, um schließlich zusammen mit ihrem Mann in Zagreb eine Wohnung für die Familie zu kaufen.
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![]() Ihrem Mann Jakov war es damals nicht möglich, seine Frau nach Deutschland zu begleiten, weil er hier nicht als Lehrer arbeiten konnte.Er ist ihr vor sieben Jahren nach Münster gefolgt. |
"Ich bin ein bisschen länger in Zagreb geblieben, weil ich beim Kauf der Wohnung dabei sein wollte. Als ich zurück nach Münster kam, hatten sie meine Stelle an eine Türkin vergeben."
Inzwischen arbeitet die 63-Jährige in der Kantine einer kirchlichen Bildungsstätte. Zusammen mit ihrem Mann hat sie eine kleine Dienstwohnung gemietet. Jakoc Popovic folgte seiner Frau vor sieben Jahren nach Münster, während ihr Sohn und ihre Tochter in Kroatien Familien gründeten.
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Die Trennung von der Familie war für Ljuba Popovic nicht einfach. Man besuchte sich gegenseitig. Wann immer es möglich war, fuhr sie nach Zagreb. Ihr Mann und die Kinder kamen häufig nach Münster, so dass die Familie mehrere Monate im Jahr zusammen war.
"Als bei uns Krieg war, war meine Tochter hier in Münster und hat auch unsere Enkelin hier zur Welt gebracht. Mittlerweile ist die Kleine neun Jahre alt, sie ist sehr gern bei mir in Münster. Früher haben wir uns oft gesehen, und der Abschied fiel mir immer sehr schwer. Seit mein Mann mit mir fährt, ist es besser geworden. Inzwischen fühle ich mich in Zagreb als Besucherin. Dennoch möchte ich in Kroatien beerdigt werden, damit sich unsere Verwandten um mein Grab kümmern."
Der Glaube hat Ljuba Popovic geholfen, sich in Deutschland wohl zu fühlen. "Jeden Sonntag gehen wir mit der katholisch-kroatischen Gemeinde zur Messe, und auch die Priester von meinem Arbeitsplatz sind manchmal bei uns zu Besuch. Ich bin in Münster heimischer als in Zagreb. In Kroatien fühle ich mich anders. So etwa wie die Ostfriesen hier in Deutschland. Sie kommen her und man macht Scherze über sie."
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"In Münster habe ich einige Bekannte, doch hätte ich meine Nachbarschaft gerne näher kennengelernt. Kaum jemand grüßt mich, wenn ich mit dem Fahrrad durch mein Wohnviertel fahre."
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![]() Bei der Ehrung für ihre 25-jährige Tätigkeit in der kirchlichen Bildungsstätte im Februar 1999 (Ljuba Popovic 3.v.li. Jakov Popovic 1.v.re.). |
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Unter der Einsamkeit zu leiden, hatte Ljuba Popovic nie Zeit.
"Als ich her kam, konnte ich kein Wort deutsch und mußte mir das Nötigste mit Wörterbüchern aneignen."
Es gibt viele Gründe, die mich hier halten. Die Selbständigkeit und die Arbeit zum Beispiel. Zu Hause durfte ich nie arbeiten. In Münster verdiene ich genügent Geld, so dass mein Mann und ich gut leben können. Auch der Umgang mit den Menschen und Dinge, die Freiheit bedeuten, wie das Auto fahren, habe ich hier zu schätzen gelernt."
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