Salvador López Gallardo
Spanien


"Meine Heimat ist Münster."


Um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten, müsste Salvador López Gallardo seine spanische abgeben. Dazu kann er sich nicht entscheiden, trotzdem er seit 1963 in Münster lebt und dort auch den Rest seines Lebens verbringen möchte. "Ich fahre mit meiner Frau einmal im Jahr für fünf bis sechs Wochen in meine Geburtsstadt Cadiz in Andalusien, um Verwandte zu besuchen. Wenn meine Frau ebenfalls nicht mehr arbeitet, bleiben wir vielleicht mal drei Monate in Spanien. Aber ich fühle mich dort mittlerweile nicht mehr wirklich heimisch, sondern eher wie ein Fremder. Viele meiner Freunde und ehemaligen Kollegen sind wegzogen oder gestorben, so dass ich nicht mehr viele Leute kenne. Meine Heimat ist Münster, und von hier möchte ich auch nicht weg. Ich sehe meine Kinder und Enkelkinder täglich und will nicht getrennt von ihnen leben. Im übrigen empfinde ich mich selbst nicht mehr als Gast wie früher, sondern als Europäer, der in Deutschland zu Hause ist."


Salvador López Gallardo (links) mit
seinem Schwager 1964 in einer Baum-
schule in Münster, in der er einige
Monate gearbeitet hat.



Eigentlich wollte Salvador López Gallardo nur eine kurze Zeit in Deutschland arbeiten, um etwas Geld zu verdienen und dann nach Spanien zurückzukehren. Die wirtschaftliche Situation war dort sehr schlecht, und er hatte keine Ausbildung. Aber dem ersten Jahresvertrag folgte ein weiterer und dann einer für zwei Jahre, so dass er schließlich zweiunddreißig Jahre in Münster beschäftigt war. Davon arbeitete er die überwiegende Zeit bei einem Chemiekonzern. Er ist jetzt zweiundsechzig Jahre alt und im Vorruhestand. "Ich habe nicht bereut, dass ich nach Deutschland gegangen bin. Mein Alltag bestand zwar nur aus Arbeit, aber ich war zufrieden. Von meiner Rente und dem Verdienst meiner Frau können wir gut leben. Wir haben eine Wohnung, die wir von meiner ehemaligen Firma gekauft haben. Außerdem habe ich noch etwas gespart. Ich denke, dass wir auch noch zukünftig gut versorgt sein werden."

"Seitdem ich in Rente bin, habe ich weniger Kontakt zu anderen Menschen. Ich hatte viele deutsche Kollegen, die ich auch nach der Arbeit mal getroffen habe. Jetzt bin ich meistens zu Hause. Sonntags mache ich Fahrradtouren mit einer Gruppe, die sich auf Initiative von "Adentro NRW - Netzwerk spanisch sprechender Seniorinnen und Senioren e.V." gebildet hat. Wir gehen auch mal Kegeln, trinken zusammen Kaffee und treffen uns in den Räumen, die uns das Sozialamt zur Verfügung stellt. Und ich nehme noch an einer Sprachgruppe teil, bei der auch Deutsche dabei sind.




Meine Deutschkenntnisse sind nicht besonders gut. Ich spreche schlechter Deutsch als ich verstehe. Früher habe ich ein paar Kurse besucht, aber ich hatte wegen der Arbeit nicht genügend Zeit zu lernen. Bei Anträgen und anderem Schriftverkehr helfen mir meine Kinder. Heute ist es mir in meinem Alter egal, ob ich mich gut in der deutschen Sprache verständigen kann. Soll ich jetzt noch in die Schule gehen?"



Salvador López Gallardo mit seiner Frau Antonia