![]() |
"Sofort zu sterben, ist besser als krank zu werden."
|
|
Germano Machado lebt seit 1966 in Münster und gehört zu den ersten portugiesischen Gastarbeitern dieser Stadt. Als er nach Deutschland kam, war er achtundvierzig Jahre alt. Die wirtschaftliche Situation war damals in Portugal sehr schlecht. Germano Machado bekam keinen Ausbildungsplatz und ging als Analphabet nach Münster. Daher hatte er enorme Schwierigkeiten die deutsche Sprache zu lernen. Noch heute spricht er sie kaum. Ursprünglich wollte Germano Machado nur einige Jahre in Deutschland bleiben und sich Geld für ein eigenes Haus und ein kleines Geschäft in Portugal erarbeiten. "Weil ich gehört hatte, dass man in Deutschland mehr Geld verdienen konnte, hatte ich mich dazu entschlossen. Meiner Frau hatte ich versprochen zurückzukommen, sobald ich genug Geld für das Haus zusammen gehabt hätte." | |
![]() Germano Machado Anfang 1970 in Münster |
Zuerst arbeitete Germano Machado bei einer Gartenbaufirma, dann in einer Kartonfabrik. Als Hilfsarbeiter verdiente er monatlich ungefähr 200 DM. "In den ersten Jahren war ich sehr einsam und weinte oft. Als das Ziel vom eigenen Haus in weite Ferne rückte, ist meine Familie nachgekommen." Germano Machado bekam später einen Vertrag bei der britischen Armee. Dort hat er sich, ähnlich wie Zivilisten in deutschen Kasernen, um die Versorgung gekümmert. Er hat gekocht, gespült und in der Kantine nach dem Rechten gesehen. Da seine Frau schwer krank war, musste er den Haushalt mitorganisieren und konnte nicht, wie viele andere Gastarbeiter, nach Feierabend zusätzlich einem Putzjob nachgehen. Als Vater einer fünfköpfigen Familie konnte er nichts ansparen. |
|
"Erst als meine Kinder berufstätig wurden, behielten wir genügend Geld übrig und konnten uns ein Haus leisten. Vor fünfzehn Jahren ging ich in Rente und kehrte mit meiner Frau nach Portugal zurück."
Acht Jahre blieben die beiden in Portugal. Dann starb die Frau. Für Germano Machado änderte sich die Situation noch einmal. Obwohl er gern dort geblieben wäre, wo seine Frau begraben ist, fühlte er sich allein und hilflos. Er kehrte nach Münster zurück. Hier können ihn seine Kinder finanziell und bei den alltäglichen Angelegenheiten unterstützen. Germano Machado lebt nun in einer kleinen Wohnung ganz in der Nähe einer seiner Söhne. | |
|
"Ich habe keine Träume mehr. Ich möchte nur nicht krank werden, weil ich dann nichts mehr unternehmen kann. Sofort sterben ist besser als erst krank zu werden." |
![]() Germano Machado 1979 im Urlaub in seinem Geburtsdorf Salgadas im nördlichen Portugal |
|
Manchmal bedauert Germano Machado, dass er in Portugal auf die Welt gekommen ist.
"Viel lieber wäre ich in so einem Land geboren wie Deutschland, weil man hier alles hat."
Am Wochenende trifft er sich gern mit alten Freunden im Portugiesischen Zentrum zum Backgammon-, Billard- oder Kartenspielen.
| |